Um zu verstehen, warum eine Zeder in Meudon den Beinamen „Impérial“ trägt, muss man bis 1799 zurückgehen — in das Jahr, in dem Joséphine de Beauharnais das Schloss Malmaison erwarb und sich daranmachte, dessen Park in einen der schönsten botanischen Gärten Europas zu verwandeln.
Joséphines Leidenschaft für die Botanik
Als sie Malmaison kaufte, suchte Joséphine nicht einfach einen Landsitz: Sie wollte ein lebendiges Laboratorium. Sie trug Arten aus allen Teilen der Welt zusammen, ließ mit erheblichem Aufwand seltene Pflanzen nach Frankreich bringen und umgab sich mit den besten Botanikern ihrer Zeit. Ihr Garten wurde bald zu einem wissenschaftlichen Zentrum, dessen Ruf weit über die Grenzen Frankreichs hinausreichte, und seine Tafeln und Kataloge wurden in ganz Europa studiert.
Unter all diesen Pflanzen zog ein Baum ihre Aufmerksamkeit besonders auf sich: die Libanon-Zeder, eine Art, die mehr als fünfhundert Jahre alt werden kann. Für eine Kaiserin, die eine Dynastie begründen wollte, hatte eine in Jahrhunderten gemessene Lebensdauer einen offenkundigen Reiz.
1800 ließ sie gegenüber dem Schloss eine Zeder pflanzen, um den Sieg von Marengo zu feiern — den Cèdre de Marengo. 1806, inzwischen Kaiserin, schenkte sie eine zweite Zeder dem Maler Pierre-Joseph Redouté, ihrem Zeichenlehrer und dem größten Blumenmaler seiner Zeit, zum Dank für seine Arbeit an den Rosen von Malmaison. Dieser Baum, seither „Cèdre Redouté“ genannt, steht bis heute in Meudon.
Eine Pflanzung in der rue Napoléon
In diesem Umfeld wurde, irgendwann zwischen 1799 und 1805, jener Baum in die Erde gesetzt, den wir heute Cèdre Impérial nennen. Er schlug Wurzeln auf den Höhen von Meudon, in einer Straße, die damals den Namen rue Napoléon trug.
Der Ort war kein Zufall. Von diesem Punkt des Plateaus aus öffnet sich der Blick weit über die Hauptstadt. Zwei Jahrhunderte später ist es noch immer einer der ganz wenigen Orte, von denen aus sich der Eiffelturm über den Dächern am Horizont ausmachen lässt — 6,6 km Luftlinie. Wer diese Stelle wählte, pflanzte für eine Aussicht, die es damals noch gar nicht gab.
Joséphine de Beauharnais
1763 – 1814 · Kaiserin der Franzosen
Als leidenschaftliche Botanikerin trug sie in Malmaison eine der reichsten Pflanzensammlungen Europas zusammen und führte zahlreiche Arten in Frankreich ein. Ihr Garten wurde zu einem wissenschaftlichen Zentrum, das weit über die Landesgrenzen hinaus anerkannt war.
Eine Straße, die mit den Zeiten ihren Namen wechselte
Die Geschichte des Baumes folgt der Geschichte der Regime, die ringsum kamen und gingen. Nach dem Sturz Napoleons I. verlor die rue Napoléon ihren Namen und hieß fortan „Rue des Princes“. Erst 1883 gab die Dritte Republik der Straße den Namen, den sie bis heute trägt: rue de la République.
Während der Besatzung ersetzte die Résistance 1943 die Straßenschilder für kurze Zeit durch „Rue Charles de Gaulle“. Vier Namen für ein und dieselbe Straße — und ein einziger unbewegter Zeuge all dieser Wechsel: die Zeder, Hausnummer 11.
1799
Joséphine erwirbt das Schloss Malmaison und beginnt, daraus einen außergewöhnlichen botanischen Garten zu gestalten.
1800
Der Cèdre de Marengo wird in Malmaison gepflanzt, als Echo auf den Sieg vom Juni desselben Jahres.
1806
Joséphine, seit 1804 Kaiserin, schenkt dem Maler Pierre-Joseph Redouté eine Zeder. Die am Baum angebrachte Tafel hält das Geschenk fest.
1799 – 1805
Geschätzte Pflanzung des Cèdre Impérial in der rue Napoléon in Meudon.
1815
Nach dem Sturz Napoleons I. wird die rue Napoléon in „Rue des Princes“ umbenannt.
1883
Die Dritte Republik gibt der Straße ihren heutigen Namen: rue de la République.
„Ein Baum, gepflanzt unter dem Kaiserreich, der zwei Jahrhunderte französischer Geschichte hat vorüberziehen sehen — und der noch immer über Paris wacht.“
Association pour le Cèdre — ARCBMDie Geburt einer Legende
Zu diesem Zeitpunkt war die Zeder noch bloß ein bemerkenswerter Baum unter vielen. Was sie zur Legende machte, war das Zweite Kaiserreich. Kaiserin Eugénie entdeckte sie durch einen Nachbarn, den General Jacqueminot, und war überzeugt, dass der Baum allen, die zu ihm kamen, wohltuende Kraft schenke. Von da an begann eine ununterbrochene Kette der Weitergabe, von Königin Victoria bis zu den Romanow-Kindern und später zu Coco Chanel.
Von dieser Kette erzählen die folgenden Kapitel.
Dieses lebendige Erbe verdient Schutz
Schließen Sie sich denen an, die für die Rettung des Cèdre Impérial eintreten.
Zum Weiterlesen
Filme und Dokumentationen, die den Hintergrund dieses Kapitels beleuchten. Sie handeln nicht vom Baum selbst.
Le cèdre du Liban, un arbre plusieurs fois centenaire
Napoléon Ier, l’empereur soldat
3:13 · Château de Versailles