Im Februar 2021 bedroht ein Bauprojekt den Cèdre Impérial von Meudon. Die Bewegung, die sich daraufhin bildet, nimmt mehrere Formen an — eine Petition, Briefe, ein Verein —, doch eine davon hat stärker nachgewirkt als alle anderen: Hunderte Kinder begannen, den Baum zu zeichnen, um seinen Schutz zu fordern.
Eine Antwort, die von den Kindern kam
Der Gedanke war von entwaffnender Einfachheit. Als das Vorhaben bekannt wurde, sprach man über die Zeder — in den Familien und in den Klassenzimmern; Kinder griffen zu Stiften und begannen, den Baum so darzustellen, wie sie ihn sich vorstellten oder wie sie ihn von der Straße aus sahen. Mehr als hundert Zeichnungen kamen zusammen und wurden anschließend ausgestellt.
Keine dieser Zeichnungen erhebt Anspruch auf botanische Genauigkeit. Die Umrisse sind ungefähr, die Proportionen frei, die Farben oft kräftiger als in der Wirklichkeit. Genau das macht sie interessant: Sie wollen den Baum nicht beschreiben, sie wollen ihn verteidigen.
Eine Zeder, deren Wurzeln SOS schreiben
Einige Bilder hoben sich aus der Menge heraus und verbreiteten sich sehr viel weiter als die übrigen. Das eindrücklichste zeigt die Zeder, deren Wurzeln beim Eindringen in den Boden die drei Buchstaben SOS bilden — darüber ein Appell, der sich unmittelbar an den Bürgermeister von Meudon richtet. Niemand hatte darum gebeten: Das Kind fand ganz allein die Formel, die Monate behördlicher Schreiben nicht besser hätten zusammenfassen können.
Ein anderes Blatt stellt die Zeder neben eine Giraffe, als gehörte der Baum längst zu einem eigenen Bestiarium — jenem der Dinge, die zu groß und zu selten sind, als dass man sie verschwinden lassen dürfte.
Zeichnungen, die weit über Meudon hinausreichten
Sehr schnell waren die Zeichnungen keine rein örtliche Angelegenheit mehr. Kinder aus mehreren Ländern beteiligten sich und schickten ihre Blätter für einen Baum, den sie nie gesehen hatten. In Paris zeigte die Cremerie de Paris eine Ausstellung davon und gab diesen Papierblättern einen Ort und eine Sichtbarkeit, die die Bewegung sonst nicht erreicht hätte. Nebeneinander gehängt, entfalteten die Zeichnungen eine Wirkung, die keine von ihnen allein besaß: die Wirkung der schieren Zahl.
Die Zeichnungen, eine nach der anderen
Zehn der Zeichnungen, hier in großem Format gezeigt. Sie stammen vom Instagram-Konto der Mobilisierung, @cedreimperialmeudon9, und werden hier wiedergegeben, damit man sie ansehen kann, ohne die Seite zu verlassen.
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Ein uneigennütziges Zeugnis — und ein Archiv
Was diesen Zeichnungen ihr Gewicht gibt, ist nicht ihre zeichnerische Qualität, sondern das, was sie belegen. Ein Kind, das einen Baum zeichnet, hat kein Interesse zu verteidigen, kein Eigentum zu schützen, kein Mandat geltend zu machen. Es erwartet nichts als Gegenleistung. Seine Zeichnung ist ein uneigennütziges Zeugnis, und gerade diese Uneigennützigkeit macht es schwer, sie beiseitezuschieben.
Diese Blätter bilden zugleich ein Archiv. Sie datieren die Bewegung genau, sie bezeugen ihr Ausmaß und sie bewahren die Spur dessen, was der Baum für Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Ländern bedeutete. Es ist genau das Material, das einen künftigen Antrag auf Anerkennung als Kulturgut tragen wird: Der Wert eines bemerkenswerten Baums bemisst sich nicht allein an seinem Stamm, sondern daran, wie viel er den Menschen bedeutet.
Februar 2021
Ein Bauprojekt bedroht den Cèdre Impérial; die Fällung wird zu einer konkreten Möglichkeit.
2021
Die Bewegung formiert sich, und Hunderte Kinder zeichnen den Baum, um seinen Schutz zu fordern.
2021
Mehr als hundert Zeichnungen werden gesammelt und ausgestellt, insbesondere in der Cremerie de Paris.
2021
Der Baum bleibt erhalten: Er wurde nicht gefällt.
„Eine Kinderzeichnung verteidigt kein eigenes Interesse. Genau deshalb hat sie Beweiskraft.“
Association pour le Cèdre — ARCBMWorum diese Zeichnungen baten — und was den Baum heute bedroht
Man muss diese Zeichnungen als das lesen, was sie waren: die Bitte, nicht zu fällen. 2021 hatte die Gefahr eine einfache, sichtbare Gestalt — die einer Motorsäge und einer Baugenehmigung. Diese Schlacht hat der Baum gewonnen.
Die heutige Bedrohung hat nichts Spektakuläres mehr. Der versiegelte Boden rund um die Zeder hindert sie am Trinken: Das Regenwasser fließt über den Beton ab, statt bis zu den Wurzeln zu gelangen. Nichts zu fotografieren, nichts zu zeichnen — und genau das macht das Austrocknen gefährlicher als die Fällung.
Zum Weiterlesen
Filme und Dokumentationen, die den Hintergrund dieses Kapitels beleuchten. Sie handeln nicht vom Baum selbst.
Les dessins d’enfants pour le Cèdre Impérial
Die Bedrohung hat sich gewandelt
Diese Zeichnungen baten darum, den Baum nicht zu fällen. Heute ist es der versiegelte Boden, der ihn austrocknet.